+4368120633775
office@authenticparenting.at

Was ein zerplatzter Luftballon und Resilienz miteinander zu tun haben

Wege und Lösungen für ein achtsames Familienleben

Was ein zerplatzter Luftballon und Resilienz miteinander zu tun haben

Mehr, als wir im ersten Moment vielleicht vermuten würden.

Und eigentlich geht es gar nicht um den Luftballon.

An seine Stelle könnten wir unzählige andere Dinge aus dem Leben kleiner Menschen setzen: das Lieblings-T-Shirt, das plötzlich zu klein geworden ist, die Schuhe, die drücken, das Spielzeugauto, das kaputtgeht, der Wunsch, der sich nicht erfüllt, eine Begegnung, die enttäuscht oder ein ganz gewöhnlicher Alltagsmoment.

Der Luftballon ist heute einfach stellvertretend für all jene kleinen Ereignisse, die plötzlich große Gefühle auslösen. Denn genau so ein Luftballon hat uns in den vergangenen Tagen beschäftigt.
Alles begann mit einem Werbegeschenk, das mit der Post kam. Ein Luftballon, gefüllt mit bunten Papierkonfetti. Und weil unsere Vierjährige genau an diesem Tag Geburtstag hatte, durfte sie ihn behalten. Ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen, wie groß ihre Freude war. Es wurde gelacht, gespielt, getanzt und der Luftballon wurde zum treuen Begleiter.

Damit diese Freude möglichst lange anhält, gab es von uns eine kleine Bitte: Der Luftballon sollte im Haus bleiben. Draußen warteten Dornen, Rosenbüsche und spitze Äste. Die ersten Tage funktionierte das wunderbar. Bis unsere Vierjährige am dritten Tag beschloss, dass der Luftballon unbedingt mit in den Garten musste.

Vielleicht ahnt ihr schon, wie diese Geschichte endet.
Ein Windstoß.
Ein Rosenbusch.
Ein kurzer Moment.
Und plötzlich war der Luftballon zerplatzt.
Mit ihm verschwand auch die große Freude.Die Tränen flossen. Wut, Frust und Traurigkeit waren riesengroß. Und auch mein Mamaherz wurde schwer. Denn wer möchte schon, dass aus diesem unendlichen Glück innerhalb weniger Sekunden so viel Schmerz wird?

Und genau hier beginnt eigentlich die Geschichte, über die ich heute schreiben möchte.

Denn solche Momente erleben wir als Eltern beinahe täglich.
Nicht immer mit Luftballons. Aber mit kaputten Bauwerken, verlorenen Kuscheltieren, zerbrochenen Lieblingsbechern, abgesagten Verabredungen oder Wünschen, die sich nicht erfüllen.

Und fast automatisch passiert etwas in uns. Wir möchten den Schmerz kleiner machen. Die Tränen möglichst schnell trocknen. Eine Lösung finden. Etwas Neues anbieten. Den Frust wegnehmen. Das ist zutiefst menschlich. Denn wenn unsere Kinder leiden, leiden wir oft ein Stück mit. Ihre Tränen berühren unsere eigenen Gefühle. Vielleicht sogar unsere eigenen Erfahrungen von Enttäuschung, Hilflosigkeit oder Trostlosigkeit. Und genau deshalb greifen wir oft so schnell nach einer Lösung.

Doch was passiert eigentlich, wenn wir jedes unangenehme Gefühl sofort aus dem Weg räumen?
Ja.

Frust auszuhalten ist schwer. Gefühlsstürme zu begleiten fordert uns heraus. Je nach Temperament unseres Kindes manchmal sogar sehr. Und trotzdem wünschen wir uns doch etwas ganz Bestimmtes.

Wir wünschen uns Kinder, die zu jungen Erwachsenen heranwachsen, die wissen:

„Ich darf traurig sein.“
„Ich darf wütend sein.“
„Und ich finde wieder heraus.“

Menschen, die Herausforderungen nicht ausweichen müssen, sondern gelernt haben, mit ihnen umzugehen. Menschen, die Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln. Kurz gesagt:

Wir wünschen uns Kinder mit einem starken Immunsystem ihrer Seele.
Resiliente Kinder.

Und genau deshalb komme ich wieder zum zerplatzten Luftballon zurück. Denn so oft versuchen wir im Begleiten kleiner Menschen genau diese Situationen zu vermeiden.
Wir möchten beschützen.
Bewahren.
Frust verhindern.
Nicht zuletzt, weil genau diese Gefühle auch uns selbst berühren.

Manchmal glauben wir sogar, besonders liebevoll oder besonders bedürfnisorientiert zu handeln, wenn wir alles dafür tun, unangenehme Gefühle gar nicht erst entstehen zu lassen.
Doch vielleicht übersehen wir dabei etwas.
Resilienz entsteht nicht dadurch, dass Kinder niemals Frust erleben. Sie entsteht auch nicht durch den Frust allein. Sie entsteht dort, wo Kinder erleben dürfen:

„Das war gerade richtig schwer.“
„Ich durfte traurig sein.“
„Jemand ist bei mir geblieben.“
„Und irgendwann wurde es wieder leichter.“

Nicht der zerplatzte Luftballon macht ein Kind stark.
Nicht die Enttäuschung.
Nicht die Tränen.
Sondern die Erfahrung, mit all dem nicht allein zu sein.
Genau dort entstehen Schritt für Schritt Regulationsstrategien.
Genau dort wächst Selbstvertrauen.
Genau dort entwickelt sich die innere Überzeugung:

„Auch schwierige Gefühle gehen vorbei.“

Vielleicht können wir den nächsten zerplatzten Luftballon deshalb mit anderen Augen betrachten. Nicht als etwas, das wir um jeden Preis hätten verhindern müssen. Sondern als einen kleinen Moment des Lebens. Einen Moment, in dem Entwicklung möglich wird.

Nicht, weil wir den Schmerz kleinreden.
Nicht, weil wir sofort eine Lösung präsentieren.

Sondern weil wir da sind.
Mit unserer Ruhe. Mit unserem Mitgefühl. Mit unserem Vertrauen.

Und genau darin liegt vielleicht eine der schönsten Aufgaben von Elternschaft: Nicht alle Stürme von unseren Kindern fernzuhalten, sondern ihnen zu zeigen, dass sie Stürme nicht alleine überstehen müssen. 

Wenn dich dieser Gedanke begleitet oder du dich fragst, wie Resilienz im Familienalltag tatsächlich wachsen kann, dann lade ich dich herzlich ein, weiter mit mir in dieses Thema einzutauchen.

Im Eltern-Kraft-Paket findest du Impulse, Hintergrundwissen und alltagstaugliche Ideen, die dich darin unterstützen, deinen ganz eigenen Weg in der Begleitung deines Kindes zu finden.

Denn manchmal beginnt ein großes Stück seelischer Stärke tatsächlich mit einem kleinen, zerplatzten Luftballon.

Keine Kommentare

Deinen Kommentar hinzufügen