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Ver-rückte Zeiten?

Wege und Lösungen für ein achtsames Familienleben

Ver-rückte Zeiten?

Wie seht ihr denn das ALLES?

Eine Frage, die uns im letzten Jahr ganz häufig erreicht hat und eine, über deren Antwort ich lange nachgedacht habe. Denn eigentlich haben wir uns ganz zu Beginn dieser Pandemie, Krise oder auch Herausforderung, wie auch immer wir das was ist bezeichnen wollen, dazu entschieden, bei den „Wir wissen die ganze Wahrheit“ – Spielchen nicht mitzuspielen oder uns an irgendwelchen Diskussionen zu beteiligen mit dem Ziel, das Gegenüber von was auch immer zu überzeugen. Weil es für uns in unserem Wirken nicht darum geht.

Wir arbeiten mit Menschen, mit Familien. Unser Fokus liegt auf dem Stärken und Bestärken der Mütter und Väter, in ihre Kraft zu kommen und IHREN Weg zu finden. Ihren ganz individuellen, persönlichen Weg. Unser Fokus liegt in der Arbeit mit den eigenen Prägungen und Erfahrungen des Einzelnen, im Ziel, übernommene Gefühle und Verhaltensmuster zu erkennen und für sich zu entscheiden, ob man weiter mit ihnen gehen oder sie loslassen möchte, im Erkennen von Blockaden und nicht zuletzt im Hinbegleiten zu einer engen, innigen wie auch gesunden Eltern-Kind-Beziehungen, die Wachstumsprozesse ermöglichen.  
Und definitiv liegt der Fokus unseres Tuns nicht darin, hier öffentlich politische oder gar medizinische Meinungen breit zu treten, zu verbreiten, zu interpretieren oder gar als einzig richtige Wahrheit darzustellen. Beziehungsweise auch, Meinungen und Ansichten als richtig und falsch zu deklarieren.
Das soll auch in Zukunft so bleiben – ganz gleich worum es in den tobenden Stürmen an der Oberfläche gehen mag. Denn im Endeffekt liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, für sich selbst den Weg zu finden, der sich richtig und stimmig anfühlt. Und im Endeffekt wollen wir die Menschen in ihrem SEIN wahrnehmen und ihnen begegnen, unabhängig davon wer sie sind, woran sie glauben oder für welchen Lebensweg sie sich entschieden haben!
ABER?
Ja, dieses ABER gibt es. Nicht, weil sich unsere Meinung geändert hätte und wir uns dazu entschieden haben, nun doch an den oben erwähnten Spielchen teil zu nehmen, Statements irgendwelcher Art abzugeben oder gar unseren „Senf“ zur ganzen Thematik dazu zu geben, sondern weil Einzel- und Familienbegleitungen in Bezug auf die aktuelle Situation und den damit verbundenen kleinen oder größeren individuellen Krisen zunehmen, weil uns die eingangs erwähnte Frage immer häufiger gestellt wird und weil ich  – ganz wie es unserem WIRKEN entspricht – ein paar Gedanken, Impulse und Botschaften für euch da lassen will.

Verunsicherung, Zweifel, Sorgen, Ängste, …


„Das mutig sein, Mami, dass muss man manches Mal einfach ein bisschen üben!“

Lotta, 5 Jahre alt

Es wäre gelogen zu behaupten, dass mir die Entscheidung leicht gefallen ist, einen derartigen Blogbeitrag zu verfassen. Nicht nur der oben genannten Gründe wegen, sondern auch, weil es aktuell gar nicht so leicht ist, die passenden Worte zu finden. Und wir – mein Mann und ich – haben lange hin und her überlegt und diskutiert, ob wir uns überhaupt dazu äußern sollen. Immerhin ist es aktuell gerade nicht einfach, über ein Thema zu sprechen, welches diese Gesellschaft so massiv berührt, dass jeder noch so kleine Hauch einer möglichen Kritik abgewertet, kategorisiert oder auch als falsch deklariert wird und die diese Gesellschaft (gefühlt) spaltet. Und dennoch haben wir uns im Endeffekt – nach langem Durchspielen und Besprechen, dazu entschieden. Und so möchte ich heute die Chance nutzen, hier auf die uns so oft gestellte Frage zu antworten. Anders, als möglicherweise erwartet wurde, aber definitiv so, wie es unserer Sichtweise entspricht.

Gerade JETZT fühlt es sich richtig an, das zu tun.
Nicht nur, weil uns die Frage immer häufiger gestellt wird, sondern vor allem auch, weil es hier für uns um ganz andere Dinge geht, als ein Virus, die Maßnahmen oder dergleichen. Über Letzteres werde ich hier auch definitiv nicht schreiben. Weil es (zumindest für uns) nicht darum geht (oder auch gehen darf), nach der absolut, gültigen Wahrheit zu suchen. Ganz im Gegenteil. Im Grunde genommen ist es nämlich ziemlich egal, welche Herausforderung, welcher Sturm oder welche Krise uns im Alltag begegnet – ob nun im ganz Kleinen (bei sich selbst), in der eigenen Familie oder eben auch im Großen, im kollektiven Miteinander. Jeder erlebt diese anders, jeder empfindet anders, jeder reagiert anders, wird an anderen „Orten“ seines SEINs davon berührt und ist dementsprechend dazu angehalten, für sich selbst all dem ERLEBEN auf den Grund zu gehen, den Blick unter die Oberfläche zu wagen, den eigenen Berührungen zu folgen und den Blickwinkel auf eine Art und Weise zu verändern, die neue Perspektiven ermöglicht.

Und genau darüber möchte ich hier und heute schreiben.
Denn im Endeffekt geht es nicht um das, was an der Oberfläche wirkt und damit für Unruhe im Innen sorgt, sondern es geht um uns, unsere Kinder, unser kollektives Miteinander und vor allem auch um die Frage, wie dieses in der Zukunft aussehen soll oder kann. Es geht darum, was wir unseren Kindern über das Erleben und Durchleben von Stürmen (wie auch Herausforderungen) mit auf den Weg geben (können) und was wir uns selbst aus diesem mitnehmen. Für uns und unser WIR. Für unser JETZT und unsere ZUKUNFT.
Worum es also geht ist zu erkennen, dass wir Herausforderungen nicht dadurch meistern, indem wir nach der absoluten Wahrheit, Schuldigen oder Verantwortlichen für das JETZT suchen, oder gar darauf hoffen, dass jemand anderer kommt, die Verantwortung übernimmt und all das, was wirkt oder auch blockiert, für uns löst. Oder besser noch, verschwinden lässt. Sondern das wir nur für uns selbst einen WEG finden und nur bei uns selbst beginnen können.

ER-wachsen sein, heißt Verantwortung zu übernehmen
So großartig dieses Erwachsen sein im Grunde ist, so anstrengend kann es manches Mal sein. Denn mehr als alles andere bedeutet es nun einmal, Verantwortung für sich selbst, das eigene Empfinden, die Gefühle und Bedürfnisse, die Schritte und Wege die man geht und alle Herausforderungen zu übernehmen, die einem mitunter täglich wieder begegnen. Es heißt einzusehen, dass sich gewisse Dinge im Außen nicht ändern lassen, so sehr wir uns das vielleicht auch wünschen würden, sondern wir uns mit der Frage auseinander setzen müssen und dürfen, wieso, wo und warum uns manches von diesen Dingen mehr und anderes weniger berührt und wie wir damit umgehen können. Beziehungsweise auch, was wir verändern können, damit sich das Außen nicht mehr gar so bedrohlich, beängstigend, verunsichernd oder was auch immer anfühlt.

Und wenn es etwas Wesentliches gibt, was wir in all den Jahren unseres eigenen Elternseins, der Auseinandersetzung mit unserer eigenen „Geschichte“, aber auch unserer Tätigkeit mit Familien gelernt haben und mit großer Sicherheit sagen können, dann, das es nicht ausreicht, lediglich auf das zu schauen, was uns an der Oberfläche berührt, stört oder was dort sichtbar ist. Es reicht nicht aus, die Dinge dort, zu ignorieren, zu verschieben oder zu verändern, nur um sich eventuell für den Augenblick besser zu fühlen. Sondern was es braucht, ist der MUT unter die Oberfläche und damit dem Sturm ins Auge zu schauen, statt sich vor ihm zu verkriechen und auf bessere Zeiten zu hoffen.
Und auch aus diesem Grund fühlt es sich richtig an, jetzt hier zu sitzen und diese Zeilen für euch zu schreiben. Zeilen, in denen es eben nicht um den Sturm der tobt geht oder die gefühlte Spaltung der Gesellschaft, die wir gerade erleben. Und auch nicht um den Unmut oder die Ängste und die Verzweiflung, die mit einem Mal so offensichtlich spürbar sind oder gar darum, euch eine Lösung für das JETZT zu bieten. Nein, ich möchte euch mit diesen Zeilen einladen, ganz bewusst eure Sichtweise zu verändern und zu euch selbst zu blicken. Euch die Frage zu stellen, wo euch das JETZT berührt, was es mit euch macht. Und, die Chance zu sehen, die sich aus all diesem geballten, intensiven JETZT ergibt. Für jeden Einzelnen von uns, aber auch für unsere Gesellschaft.

VER-RÜCKT. Aufwühlend. Stürmisch.
Ver-rückt. Das Wort kommt mir immer mal wieder in den Sinn, wenn ich an das JETZT denke. An diese gefühlte, aufwühlende Unordnung, das fühlbare Fehlen gewohnter Strukturen in unserem Alltag, neue „Realitäten“ oder wie auch immer wir sie bezeichnen wollen und das große Fragezeichen das für so viele Menschen über der Zukunft schwebt. Oder an den Sturm, der seit einigen Monaten mal mehr und dann wieder weniger stark tobt und der für mich (gefühlt) so vieles unseres kollektiven Daseins an die Oberfläche zerrt. Vieles, was seit langem da ist und wirkt. Eigentlich. Und was nun angesehen werden darf. Oder auch angesehen werden sollte.
Je nachdem, wie man es nimmt. Vor allem aber dann, wenn wir etwas an unserem Miteinander und unserem DASEIN ändern wollen.

… und voller KRAFT    
Stürme die toben, haben immer in gewissem Maße etwas Bedrohliches an sich. Die Ruhe ist vorbei, der Sonnenschein verschwunden, wir werden kräftig durchgeschüttelt, verlieren vielleicht gar für einige Augenblicke die Orientierung und manchmal auch den Mut, wie auch die Zuversicht und ganz oft einfach auch unseren sicheren Hafen aus dem Blick. Wir spüren Ängste, die hochkommen und Zweifel, die an uns nagen. All das wühlt auf, wirbelt durcheinander, erschüttert uns in den Grundfesten, rüttelt an unseren Glaubenssätzen und unserem Vertrauen und hinterlässt Spuren.
Auf der einen Seite.
Auf der anderen Seite aber, haben diese kraftvollen Stürme auch etwas Klärendes und Stärkendes an sich. Und genau das, dürfen wir im JETZT auch wahrnehmen. Denn im Endeffekt zeigen uns Stürme so zuverlässig wie (fast) nichts anderes, was uns berührt und wohin wir schauen dürfen, um Prägungen und Dynamiken zu erkennen, die wirken und die wir lösen und loslassen dürfen. Sie machen sichtbar, was im Verborgenen liegt, bringen festgefahrene Strukturen ins Wanken, fördern ans Licht, was unter der Oberfläche „ruht“ (und wirkt) und schaffen Raum, für neue Betrachtungsweisen und Erkenntnisse.
Wenn wir ihnen die Chance geben. Und unsere Energien nicht dafür verschwenden, gegen sie zu kämpfen – ein Kampf den wir nicht gewinnen können) -, sondern ihre Kraft ganz bewusst dafür verwenden, um Veränderungen Raum zu geben, Neues entstehen zu lassen und Perspektiven zu verändern.

Erneuerung. Aufbruchstimmung. Neuorientierung.
Denn ja, natürlich können wir uns in einer Ecke verkriechen und darauf hoffen, dass der Sturm bald abzieht. Oder das jemand kommt und alles wieder in Ordnung bringt. Wir können aber auch mutig sein. Und das Licht am Horizont erkennen. So pathetisch das für manch einen von euch nun auch klingen mag. Wir können uns dazu entscheiden, dem Sturm die Stirn zu bieten oder auch mit dem Sturm zu gehen und seine Kraft für Veränderung nutzen, statt uns gegen ihn zu stellen oder gar willenlos von ihm herumwirbeln zu lassen. Wir können uns dafür entscheiden – einmal mehr – inne zu halten, zu atmen und wahrzunehmen, was in uns ist und wirkt. Wir können uns dafür entscheiden, anzunehmen und loszulassen, unserem inneren Kind mit all seinen Prägungen ins Auge zu schauen, und all den Empfindungen, Gefühlen und Emotionen, die der Sturm in uns ans Tageslicht befördert, Raum zu geben.
UND: Wir können uns dafür entscheiden, andere in ihren eigenen Empfindungen, ihrem Erleben und Wahrnehmen des Sturms zu achten und einander in eben diesen Empfindungen ernst zu nehmen, statt sie von unseren eigenen Sichtweisen überzeugen zu wollen.

Wahrnehmung ist individuell und Veränderung beginnt bei uns selbst
Jeder erlebt – wie bereits weiter oben beschrieben – anders. Jeder bringt andere Erfahrungen in das JETZT mit hinein und Diskussionen darüber was nun richtig und was falsch ist, sind nicht nur mühsam, sondern vor allem wenig zielführend. Schließlich und endlich ist – trotz aller möglichen Fakten – Wahrnehmung immer individuell und beruht auf den Prägungen und Erfahrungen, die der Einzelne in seinem Leben gemacht hat.

Irgendwann zieht jeder Sturm vorüber. Darauf können wir vertrauen. Ebenso darauf, dass irgendwann der nächste Sturm kommen und wir möglicherweise vor den gleichen Herausforderungen stehen werden. Doch das Gegeneinander, was wir in einem Sturm möglicherweise aufgebaut und das wir unseren Kindern mit auf den Weg gegeben haben, wird er nicht einfach so mit sich nehmen, wenn er abzieht. Es wird da sein und uns weiter begleiten.
Oder eben auch nicht.
Denn statt im Sturm ein Gegeneinander aufzubauen, eine Spaltung voran zu treiben, einen Schuldigen oder Verantwortlichen zu suchen, unsere Umgebung von den eigenen Wahrnehmungen überzeugen zu wollen oder auch den anderen für seine Wahrnehmungen und Empfindungen zu kritisieren, könnten wir die Zeit nutzen um miteinander und aneinander zu wachsen. Um unsere eigene Geschichte kennen zu lernen, unser inneres (verletztes) Kind zu heilen. Wir könnten die Zeit nutzen, um neue Wege zu finden, Veränderungen Raum zu geben oder auch voran zu treiben, einander neu und anders wahrzunehmen, zuzuhören und uns gegenseitig zu stärken, wie auch zu bestärken. Wir könnten die Zeit nutzen um zu erkennen, dass wir keine Marionetten eines „Systems“ sind, sondern jeder für sich ein Teilchen des Ganzen ist und jeder somit die Kraft hat zu verändern. Denn wenn wir bei uns selbst verändern, verändern wir auch unsere Umgebung und wenn wir unsere Umgebung unbewusst – durch unser SEIN verändern, verändert sich irgendwann auch das große Ganze.
Vor allem aber können wir Zeiten des Sturms auch dazu nutzen, unseren Kindern Möglichkeiten mit auf den Weg zu geben (und ihnen Vorleben), wie sich Stürme (Herausforderungen, Krisen, Missverständnisse, …) meistern lassen. Ohne einander zu verletzen, den anderen die Verantwortung zu übertragen oder uns zu verkriechen und nach Schuldigen zu suchen. Wir können ihnen das Wissen mit auf den Weg geben, dass wir im MITEINANDER stärker sind, als im Gegeneinander und wir immer die Chance haben, uns zu entscheiden. Nicht GEGEN etwas, sondern FÜR!
Für das MUTIG SEIN, das VERTRAUEN und das MITEINANDER!

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