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Babys weinen

Wege und Lösungen für ein achtsames Familienleben

Babys weinen

Warum afrikanische Babys nicht weinen. Über diesen Satz bin ich heute gestolpert. Und im Grunde konnte ich vieles, was in diesem kurzen Beitrag stand unterstreichen.
„Das es wichtig sei, dass wir unsere Babys „lesen“ und nicht in Büchern“, beispielsweise.
Denn genau das ist es, was ich nun seit Jahren an Eltern die ich begleiten darf weitergebe. Genau das ist es, worum es eigentlich geht, im Elternsein. Ums zuhören und sich einlassen, auf dieses ganz eigene, ganz individuelle Wesen. Um das sich öffnen und DA sein …

ABER eben nicht alles
Ja, dieses „aber“ gibt es und es ist ein großes ABER. Denn es sind genau diese Sätze, die Dogmen erschaffen und Druck erzeugen. Es sind genau diese Sätze, die diese absurde Idee hervorbringen, dass Babys die bedürfnisorientiert begleitet werden nicht weinen würden.
Und es sind genau diese Sätze, die Eltern mitunter massiv verunsichern oder sie gar in ihrer Überzeugung bestärken, etwas Grundlegendes falsch zu machen, weil ihr Baby weint.

Denn Babys weinen!
Auch afrikanische Babys.
Alle Babys weinen.
Weil Weinen eine der wenigen Ausdrucksmöglichkeiten ist, die Babys haben. Weil es, die Sprache von Babys ist, die überall auf dieser Erde verstanden wird. Mit der sie uns berühren, uns zeigen, dass sie etwas brauchen und durch die sie Verarbeiten können, was sie erlebt haben.
Sie weinen, um uns ihre Bedürfnisse zu zeigen und um Anspannung zu lösen.
Und sie weinen, weil sie einfach noch nicht sagen können, was Sache ist.

So einfach ist das … oder eben auch nicht.
Das wirklich schlimme an solchen Aussagen ist, dass sie ganz tief sitzende Glaubenssätze in uns bedienen , ganz schnell zur Verunsicherung führen und den Eindruck entstehen lassen, dass „Weinen“ im Grunde unerwünscht ist und nicht sein darf.

Doch, Babys weinen.
Auch dann, wenn sie bedürfnisorientiert begleitet werden.
Vielleicht ein bisschen weniger, vielleicht manches Mal aber einfach auch ein bisschen mehr. Sie weinen, weil es manches Mal die einzige Möglichkeit ist um sich Luft zu verschaffen, um Bedürfnisse zu zeigen und Anspannung zu lösen.
Sie weinen, weil weinen als Kommunikationsmittel eines der wenigen Dinge ist (neben einer Handvoll anderer Möglichkeiten zu Beginn ihres Lebens), die ihnen ihr Überleben außerhalb des Mutterleibs sichern.
Und weil sie genau in diesen Momenten eines ganz dringend brauchen:
unser DASEIN, unser ZUHÖREN und BEGLEITEN und unser ANNEHMEN.

In der gleichen Art und Weise, wie wir ihr Lachen, ihr Schauen, ihr „Glucksen“ und „Plaudern“ annehmen und begleiten.



Kommentare: 1

  1. Bea sagt:

    DANKE danke danke für diesen Artikel! Mein Kind hat sehr lange sehr viel geschrien. Trotz nach Bedarf Stillen, Familienbett, Tragen und Abhalten. In den allerersten paar Wochen bin ich auch noch relativ gut damit zurecht gekommen und hab oft das Gefühl gehabt, er will sich durch das Schreien einfach seinen Frust von der Seele „reden“ und dass ich ihm dabei zuhöre und da bin.
    Aber nach ein paar Wochen, wo ich auch fast komplett Internet- und Außenwelt-abstinent war, ging es los, dass ich von anderen Personen verunsichert wurde. Teilweise wirklich bösartige Kritik, aber ist auch einfach gutgemeinte Ratschläge, die halt einfach falsch angekommen sind. Wie zB ein Satz, den ich ähnlich schlimm finde: „Entspannte Eltern, entspannte Kinder.“ Auch wenn es zum Teil vielleicht stimmt, liegt es einfach auch an der Persönlichkeit des Kindes wie viel es schreit oä. Aber wenn man dann wegen so einem Spruch sich auch noch anfängt selbst die Schuld dafür zu geben, dass das eigene Kind so viel schreit, hilft das absolut nicht bei der Entspannung!
    Aufgrund der Verunsicherung habe ich dann auch angefangen viel zu lesen. Dabei habe ich viel Hilfreiches gelernt, aber eben auch so einen Satz wie du im Artikel erwähnt hast gelesen. Und wieder ging die „Selbstzerfleischung“ los. Ich weiß noch gut, wie ich zu meinem Kind als es wie jeden Tag wieder stundenlang geschrien hat, einmal komplett verzweifelt und heulend angemotzt habe: „Ich mach ja eh schon alles und reiß mir den Arsch auf, wieso schreist du denn noch immer?!“
    Nach einigen solchen gutgemeinten Ratschlägen, von Leuten wo ich mir eigentlich Hilfe erhofft habe (für mein angespanntes Kind und auch für mich selbst) habe ich mich dann sehr isoliert und niemandem mehr erzählt wie viel er schreit. Vielleicht habe ich dadurch auch ein Hilfsangebot, dass mir und ihm wirklich geholfen hätte, verpasst, aber ich hätte nicht noch einen „falschen“ Ratschlag mehr ertragen.
    Mittlerweile, nach 18 Monaten, weiß ich dass mein Kind einfach so ist wie es ist und sehr gefühlsstark ist. Und ich kann immer mehr von der Schuld, die ich mir damals unter anderem wegen solchen Sprüchen selbst aufgeladen habe, wieder gehen lassen. Und auch mein Kind und mich selbst so annehmen wie wir sind. Aber ich bin oft noch traurig darüber, dass ich diese Unbeeinflusstheit und dieses Nicht-Vergleichen, so wie ich es in den ersten Wochen konnte, nicht behalten konnte. Auch wenn mein Kind gleich viel geschrien hätte, hätten wir bestimmt trotzdem eine entspanntere Zeit gehabt. Ich versuche jetzt einfach wieder dazu zurück zu finden und zumindest für manche Momente wieder diese Ruhe und Zufriedenheit zu spüren.

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