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Einfach ist das nicht

Wege und Lösungen für ein achtsames Familienleben

Einfach ist das nicht

Nein. Aber wer hat jemals behauptet, dass es einfach sein würde?

Bedürfnisorientiert, selbstbestimmt, frei …. Worte die – auch hier auf diesem Blog – mitunter dauerpräsent sind. Und die sich wunderbar und herrlich anhören. Gerade dieses Wörtchen „frei“. So frisch und uneingeschränkt, so beflügelnd und unendlich schön …
Frei und selbstbestimmt, soll es sein, dieses kleine Wesen in unseren Armen. Sich wahrgenommen fühlen in seinen Bedürfnissen. Gehört, gesehen, geliebt werden …. bedingungslos.
Und schon sehen wir es vor unserem inneren Auge, wie es lächelnd durch Leben hüpft. Glücklich, frei, selbstbestimmt, mit roten Wangen und strahlenden Augen … Und uns daneben. Ebenso glücklich und frei und friedlich und vor allem ENTSPANNT.

Und dann ist alles ganz anders
Fröhlich und glücklich ist es immer noch, dieses kleine Wesen. Und es hüpft auch lächelnd durchs Leben, mit roten Wangen und strahlenden Augen. Manchmal zumindest. Denn manchmal ist es auch ganz und gar nicht fröhlich, sondern entsetzlich unglücklich. Und dann hüpft es auch nicht lächelnd durchs Leben, sondern stampft wütend auf und schreit und tobt und wird mit jeder Frage, die wir ihm stellen und jedem Angebot das wir ihm machen nur noch wütender, unleidlicher, zorniger …

Bedürfnisorientierte Begleitung ist komplex.
Und teilweise so viel anstrengender, als einfach über den kleinen Menschen hinweg zu fegen. Denn es heißt Verantwortung zu übernehmen und klar zu bleiben. In unseren Äußerungen und Botschaften, in unserem DASEIN und KOMMUNIZIEREN.

Wie klar kann ich sein?

Hat kürzlich eine Mutter in der Austauschgruppe gefragt. Und damit ganz deutlich gezeigt, wir zögerlich wir manchmal sind, wenn es um Klarheit geht oder darum, der Leuchtturm, Anker oder Fels in der Brandung für den kleinen Menschen zu sein. Und wie wenig wir uns selbst vertrauen oder auch zutrauen in der Bindungsbeziehung zum kleinen Menschen.

Soll ich? Kann ich? Darf ich?
Ist es dann überhaupt noch bedürfnisorientiert, wenn ich entscheide? Soll ich nicht doch lieber fragen? Wahlmöglichkeiten bieten? Es frei stellen?

GUTE FRAGE
Oder eben auch nicht.
Denn entscheidend ist im Umgang mit Kindern, nicht, wie oft ihnen die Wahlmöglichkeit gelassen wird, sondern zunächst einmal der Blick auf ihr Alter und darauf, was für sie schon möglich ist (welche Entscheidungen sie schon treffen können) und was noch nicht. Und gerade dieses NOCH NICHT, wird gerne übersehen. Da wird das kleine Wesen nicht nur auf einen Thron gesetzt und fortwährend bedient, sondern zusätzlich noch überfordert, mit Fragen bombardiert und mit einer Verantwortung, die es weder tragen noch überblicken kann, alleine gelassen. In dem Glauben, dass es nur so frei und selbstbestimmt sei …

Zu viel des Guten
Und zu wenig dessen, was wirklich gebraucht werden würde. Fragen sind schön und gut und geben die Wahlmöglichkeit. Doch erst dann, wenn ihr Gesamtausmaß auch wirklich verstanden werden kann. Und das kommt wesentlich später, als wir annehmen würden.

Einfach ist das nicht.
Nein, natürlich nicht. Einfach wäre, die Verantwortung abzugeben – was durch die ständige Befragung des kleinen Menschen auch der Fall ist – und es ihm zu überlassen, welcher Weg gegangen wird.
Komplexer und wesentlich herausfordernder ist es, die Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und klare Botschaften zu senden an denen sich der kleine Mensch orientieren kann.
Die Wahlmöglichkeit bleibt dennoch vorhanden und hier spielt dann der achtsame Umgang mit dem kleinen Menschen in die Bedürfnisorientierung hinein. Indem wir z.B. auf die Abwehrhaltung oder offensichtliche Abneigung des kleinen Menschen auf eine Entscheidung von uns reagieren und infolge dessen eine andere Richtung einschlagen, die Bremse betätigen oder andere Möglichkeiten ausprobieren.

Frei und selbstbestimmt, muss für den kleinen Menschen überschaubar bleiben. Sich in dem Rahmen bewegen, dessen Grenzen er wahrnehmen, verstehen und erkennen kann. Das bedeutet: je jünger ein Mensch ist, desto kleiner ist dieser Rahmen.
Und auf der anderen Seite: je älter ein Mensch wird, desto größer und weiter darf und soll dieser Rahmen werden.

Bedürfnisorientiert zu begleiten heißt, auch das wahrzunehmen, was nicht offensichtlich ist!

Kommentare: 1

  1. Eva sagt:

    Hallo lini.
    Das ist wieder mal ein für mich sehr inspirierender und wertvoller Impuls. Doch ich finde es sehr schwierig, wo diese Grenze ist zwischen überfordern und übergehen.
    Gibt es da Anhaltspunkte, in welchem Alter was möglich ist?
    Grüße,
    Eva

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