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Was heißt das eigentlich? SELBSTBESTIMMT

Wege und Lösungen für ein achtsames Familienleben

Was heißt das eigentlich? SELBSTBESTIMMT

Frei und selbstbestimmt – Begrifflichkeiten, die in Zusammenhang mit der Entwicklung kleiner Menschen oft fallen. Und die auch wir hier immer wieder und gerne verwenden.

Selbstbestimmung hört sich wundervoll an.
Großartig.
Perfekt für den kleinen Menschen und sein Heranwachsen.
Perfekt für unser Bestreben, liebevoll und achtsam zu begleiten und das heranwachsende Menschlein in seinem Streben nach Wissen und Selbstbeständigkeit wie auch seiner Kompetenz zu achten.

Aber: Was heißt denn das eigentlich?
Wie lässt es sich umsetzen?
Und mehr noch, was braucht es?
Fragen, auf die ich hier heute im Blogbeitrag näher eingehen werde.

Was braucht SELBSTBESTIMMUNG?
Oder anders gefragt, was fordert diese von uns Erwachsenen, in der Begleitung unserer Kinder.
Einerseits auf jeden Fall unseren klaren Blick als ER-Wachsene. Den Blick, der voller Empathie erkennt, was gebraucht wird. Andererseits – oder besser gesagt damit einhergehend, braucht die Selbstbestimmung kleiner Menschen unsere Zurückhaltung und unsere abwartende Haltung.
Das Hinschauen zum Kind und das Wahrnehmen dessen, was ist. Auf der Metaebene. Also auf jener Ebene, wo wir ganz klar zwischen den Emotionen, Bedürfnissen und Gefühlen des anderen und unserer eigenen unterscheiden.
Um für uns selbst die Frage beantworten zu können. Ob wir und unsere Begleitung gebraucht wird. Oder ob wir voller Vertrauen Raum geben können. Zur Selbstregulation und Lösungsfindung – wo der kleine oder schon etwas größere Mensch für sich selbst die Frage beantworten kann, ob die Herausforderung alleine gemeistert oder Hilfe und Unterstützung / Begleitung / Nähe gebraucht wird.

Stolpersteine
Mal wieder … ich weiß, über die schreibe ich hier auch ganz oft, die Stolpersteine, die wir uns selbst in den Weg legen um dann gekonnt darüber zu stolpern. Oder auch verwundert – je nachdem wie wir es betrachten wollen.
In puncto Selbstbestimmung ist das so eine Sache. Eine, die ähnlich läuft, wie die mit der „bedürfnisorientierten Begleitung“ und all den damit einhergehenden verwässerten Ansichten und Irrglauben. Kurz gesagt, es ist kompliziert. Irgendwie halt. Oder solange wir nicht wagen, einen Blick darauf zu werfen und das GANZE zu betrachten. Beziehungsweise dieses ein wenig zu entwirren.

In dem Bestreben besonders liebevoll und achtsam zu sein und den kleinen Menschen zu begleiten und mit allen Mitteln zu verhindern, dass dieser sich alleine gelassen oder gar hilflos fühlt, reagieren Erwachsene viel zu oft schlicht und einfach viel zu schnell. Greifen ein, bevor der kleine Menschen überhaupt die Chance hat sich selbst und seine Bedürfnisse wahrzunehmen und nehmen damit den Raum zur Selbstbestimmung. Für die ist – im schnellen re- und agieren der Erwachsenen, eigentlich kein Platz mehr.
Weil Selbstbestimmung eben in erster Linie heißt: ICH FÜHLE UND ENTSCHEIDE SELBST. Was für den kleinen Menschen in seinem heranwachsen bedeutet, RAUM zu bekommen für die Selbstwahrnehmung. Und um eine Antwort in sich zu hören / zu spüren auf die wesentliche und wichtige Frage: WAS brauche ICH, gerade jetzt in dem MOMENT. (Oder auch: Was will ich / fühle ich / …).

Selbstbestimmung braucht unser Abwarten UND unsere Zurückhaltung. Sie braucht unser „Ich bin da, ich sehe dich, ich gebe dir Raum“ in einem.

Das Authentic Parenting Prinzip

Und ab wann?
Den Raum, von dem ich hier spreche, können wir schon den Kleinsten geben. Von Beginn an. Indem wir jede unserer Handlungen die wir mit dem kleinen Wesen „tun“ – sei es nun das Stillen, das Abhalten übers Töpfchen oder auch das Wickeln, das Tragen, Schlafen, Kuscheln oder was auch immer, an die feinen Signale des kleinen Menschen anpassen. Nicht umgekehrt.
Heißt in der Praxis: Wir geben diesem kleinen Menschlein Angebote … und warten dann ab, ob sie angenommen werden oder welche Reaktion kommt. Statt (vor zu) schreiben, was gebraucht wird, lesen wir den kleinen Menschen in seinen Bedürfnissen und üben uns auch hier in der wohlwollenden und abwartenden Zurückhaltung.
Und ja, natürlich sind es zuerst ganz kleine, überschaubare Bereiche, wo wir der Selbstbestimmung und Kompetenz unserer Kinder Raum geben. Doch je älter sie werden, desto größer werden diese Bereiche und desto wichtiger und wertvoller ist das WIE unserer Begleitung für den kleinen Menschen.
Denn Selbstbestimmung kann nur da entstehen, wo wir dem kleinen Menschen in Bezug auf seine Empfindungen, seine Bedürfnisse und sein Streben das „du entscheidest“ in die Hand geben.

Nicht in den großen Bereichen. Nicht da, wo die Verantwortung noch nicht zu tragen wäre, für den kleinen Menschen. Nicht, wenn es um wesentliche Entscheidungen des alltäglichen Lebens geht, die die Kompetenzen des kleinen Menschen weit überschreiten und für die ihm noch die Erfahrungswerte fehlen. Da sind – logischerweise – wir gefragt. Als Erwachsene in unserer Verantwortung.
Nein, sondern die kleinen Bereiche. Genau die, die das SEIN des Kindes betreffen. Seine Gefühle und Empfindungen, seine Interessen, … und auch hier wieder in der feinen Abstimmung auf das ebenso vorhandenen, essentielle Grundbedürfnis des kleinen Menschen nach Rückhalt, Schutz und Orientierung.

Gar nicht so leicht
Nein, auf den ersten Blick vielleicht nicht. Doch bei näherer Betrachtung ist es gar nicht mehr so kompliziert. Es ist wie ein Spiel, in dem wir uns nach und nach zurück nehmen, aber immer (noch) das ganze Spielfeld im Blick haben. Ein Spiel, wo wir uns der Entwicklung des kleinen Menschen und seines Bindungsbedürfnisses bewusst sind und wo wir aber auch lernen dürfen genau hin zu fühlen, uns zurück zu halten, dem kleinen Menschen seinen Raum zu geben und dennoch den Überblick und die Verantwortung bewahren. Den Überblick für all das, was ist und die Verantwortung für all das, was noch zu groß und zu weit wäre für den kleinen Menschen. Eine Verantwortung die erkennt, wann wir uns hinbewegen und wann wir uns zurücknehmen dürfen, wann wir übernehmen müssen und wo wir den Raum öffnen dürfen / müssen.

Genau das ist …
Achtsamkeit. Genau das steckt in der liebevollen und achtsamen Begleitung. Die Achtsamkeit dem kleinen Menschen und seinem Bedürfnis nach Selbstbestimmung, seiner Kompetenz gegenüber.
Wir sind da, im Raum. PRÄSENT als Leuchtturm, Fels in der Brandung, stabiler Mittelpunkt, Fundament, Rudelsführer, … (wie auch immer wir unser DASEIN als Er-wachsene bezeichnen wollen oder welches Wort auch immer uns hilft, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was es braucht.) mit offenen Armen, in uns selbst ruhend und das ausstrahlend, was der kleine (und später nicht mehr gar so kleine) Mensch in seinem Heranwachsen immer und immer wieder von uns hören muss:
„Ich bin da, wenn du mich rufst und ich halte mich zurück, wenn du es alleine schaffst!“

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